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Lokale Sichtbarkeit

Firmensitz und Zielmarkt liegen auseinander: Wie die Website trotzdem gefunden wird.

Firmensitz in einem Ort, Kunden in der Stadt nebenan: Wie Ortsseiten ohne Scheinadresse funktionieren und warum Vorlagenseiten bei Google schaden.

Veröffentlicht
7. Oktober 2026
Lesezeit
5 Minuten
Autor
Enver Eser
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Viele Betriebe sitzen auf dem Land und arbeiten in der Stadt. Die Werkstatt steht im Gewerbegebiet einer Kleinstadt, die Aufträge kommen aus Ulm, Augsburg oder München. Gesucht wird nach „Schrottabholung Ulm“, nicht nach dem Ort, in dem der Betrieb gemeldet ist.

Die naheliegende Antwort ist eine Adresse in der Stadt: ein Briefkasten, ein virtuelles Büro, ein Untermietvertrag ohne Schreibtisch. Diese Antwort ist riskant und bringt wenig. Was stattdessen funktioniert, zeige ich an einem Projekt, das genau diesen Fall hat.

Kann ich in einer Stadt gefunden werden, in der ich keinen Sitz habe?

Ja, in der normalen Trefferliste. Für Suchanfragen wie „Auto verschrotten Ulm“ bewertet Google, welche Seite die Frage am besten beantwortet. Dort zählt der Inhalt der Seite. Im Kartenblock darüber zählt dagegen die Entfernung zwischen Suchendem und Betrieb. Google nennt Relevanz, Entfernung und Beliebtheit als die wichtigsten Faktoren für lokale Ergebnisse.

Daraus folgt eine klare Aufgabenteilung. Das Unternehmensprofil zeigt den echten Sitz oder ein Einzugsgebiet. Die Website trägt die Orte, in denen Sie arbeiten, mit Seiten, die für diese Orte etwas zu sagen haben.

Warum keine Scheinadresse in der Zielstadt?

Eine Scheinadresse verstößt gegen Googles Richtlinien für Unternehmensprofile. Postfächer und Briefkästen an Orten, an denen der Betrieb nicht arbeitet, sind dort ausdrücklich nicht zulässig, virtuelle Büros ebenso. Wird so ein Eintrag gemeldet, kann das Profil gesperrt werden. Dann fehlt der Betrieb auch dort, wo er vorher gefunden wurde.

Dazu kommt das Impressum. Dort steht die ladungsfähige Anschrift, und die liegt am echten Sitz. Eine Website, die oben „Ihr Partner in Ulm“ verspricht und unten eine Adresse 40 Kilometer entfernt nennt, wirkt auf Besucher widersprüchlich. Besser ist, den Sitz offen zu nennen und zu zeigen, dass der Weg kein Problem ist.

Was sind Doorway-Seiten?

Doorway-Seiten sind Seiten, die nur dafür gebaut werden, für ähnliche Suchanfragen zu ranken. So definiert Google den Begriff in seinen Spam-Richtlinien. Als Beispiel nennt Google ausdrücklich Seiten, die auf Regionen oder Städte zielen und Besucher alle zum selben Ziel schicken.

Das typische Muster: Eine Seite „Gebäudereinigung Ulm“, eine „Gebäudereinigung Neu-Ulm“, eine „Gebäudereinigung Senden“. Der Text ist überall derselbe, nur der Ortsname wechselt. Google behandelt das als Spam. Eng verwandt ist das, was Google „Scaled content abuse“ nennt: viele Seiten, die vor allem erzeugt werden, um Rankings zu beeinflussen, ausdrücklich auch dann, wenn sie mit KI-Werkzeugen ohne Nutzen für Leser erstellt werden.

Wer heute 30 Ortsseiten von einer KI schreiben lässt und nur den Ortsnamen tauschen lässt, baut genau das, was Google unter beiden Richtlinien beschreibt.

Wie sieht eine gute Ortsseite aus?

Eine gute Ortsseite beantwortet Fragen, die sich nur in diesem Ort so stellen. Der Test ist einfach: Tauschen Sie den Ortsnamen gegen den der Nachbarstadt. Stimmt die Seite dann noch, ist sie eine Vorlagenseite.

Gute Ortsseite und Vorlagenseite im Vergleich
MerkmalGute OrtsseiteVorlagenseite
TextEigener Text mit Situationen aus diesem OrtGleicher Text, Ortsname ausgetauscht
OrtsbezugStadtteile, Gewerbegebiete, Anfahrt, zuständige BehördeNur der Ortsname in Überschrift und Titel
FragenFAQ, die vor Ort aufkommen (Tiefgarage, Altstadtgasse)Dieselben FAQ auf jeder Seite
AdresseEchter Sitz im Impressum, offen genanntBriefkasten oder virtuelles Büro in der Zielstadt
BelegeEchte Fotos, echte Abläufe, nichts erfundenStockbilder, erfundene Kundenstimmen
VerlinkungVerweise auf Nachbarorte und passende LeistungenListe mit 30 Ortsnamen in der Fußzeile

Wie hat Schrott Ulm das gelöst?

Schrott Ulm ist ein Metallhandel mit Fahrzeugabholung. Der Betrieb sitzt in Burgau im Landkreis Günzburg, der Markt ist Ulm und die Umgebung. Für Ulm liegen laut Routenberechnung im Projekt 42 Kilometer Fahrstrecke dazwischen. Eine Ulmer Adresse gibt es nicht, und sie wurde auch nicht erfunden.

Stattdessen hat die Website 29 Ortsseiten, jede mit eigenem Text. Jeder Ort hat im Datensatz eigene Absätze, eigene Abholsituationen, einen eigenen Ablauf, eigene Orientierungspunkte und eigene Fragen. Die Ulmer Seite spricht über Tiefgaragen in der Weststadt, enge Gassen im Fischerviertel und Betriebsgelände im Donautal. Sie erklärt außerdem, dass Ulm kreisfreie Stadt ist und die Abmeldung über die Zulassungsstelle der Stadt läuft. Nichts davon würde auf der Seite für Günzburg stimmen.

Der Sitz wird dabei nicht versteckt. Das Impressum nennt Burgau als Betriebssitz und sagt dazu, dass in Ulm und Umgebung abgeholt wird. Die strukturierten Daten tragen die Burgauer Adresse. Und die llms.txt, die Sprachmodellen die Seite erklärt, schreibt ausdrücklich, dass der Sitz in Burgau liegt und der Zielmarkt Ulm ist.

Zwei Entscheidungen aus dem Projekt finde ich übertragbar. Erstens zeigen die Ortsseiten keine Entfernung und Fahrzeit ab dem Sitz an. Die Werte stehen im Datensatz, weil sie für die Tourenplanung gebraucht werden. Für Besucher liest sich „57 km“ aber wie „weit weg“. Zweitens hat jeder Ort ein Feld für eine echte, anonymisierte Abholung, mit der Regel im Code: niemals erfinden. Stand heute ist es bei keinem Ort gefüllt, also erscheint auch keiner.

Fallstudie Schrott Ulm: Sitz in Burgau, Markt in Ulm

Wie viele Ortsseiten braucht ein Betrieb?

So viele, wie Sie mit eigenem Inhalt füllen können. Die Zahl ergibt sich aus Ihrem Einsatzgebiet und aus dem, was Sie über jeden Ort zu sagen haben. Ein Reinigungsbetrieb mit sechs Orten im Umkreis braucht keine 29 Seiten. Eine Seite für den Hauptort und eine für die nächste größere Stadt reichen oft.

Wenn Sie zu einem Ort nichts Eigenes schreiben können, nennen Sie ihn im Text der Seite für den nächsten größeren Ort und in den strukturierten Daten als Einzugsgebiet. Eine eigene Seite braucht er dann nicht.

Was gehört in die strukturierten Daten?

In die strukturierten Daten gehört der echte Sitz als Adresse und das Einsatzgebiet als areaServed. Bei Schrott Ulm hängt an jeder Ortsseite ein eigener Ort mit Postleitzahlen und Koordinaten, und die Leistung auf der Seite verweist auf genau diesen Ort. Wer Ihre Seite maschinell liest, sieht damit beides richtig: wo der Betrieb sitzt und wo er arbeitet.

Strukturierte Daten für kleine Betriebe erklärt

Was mache ich mit bestehenden Vorlagenseiten?

Zusammenlegen oder neu schreiben. Ortsseiten ohne eigenen Inhalt leiten Sie per 301 auf die Seite des nächsten größeren Orts oder auf die Leistungsseite um. Die wenigen Orte, die für Sie wichtig sind, bekommen einen neuen Text mit echtem Ortsbezug. Das ist weniger Masse und mehr Substanz.

Wenn Ihr Sitz und Ihr Markt auseinanderliegen und Sie wissen wollen, welche Orte eine eigene Seite verdienen, schaue ich mir Ihr Einzugsgebiet an. Was dabei herauskommt, ist eine kurze Liste der Orte, die sich lohnen.

Local SEO für Betriebe, deren Kunden woanders suchen

Quellen

Veröffentlicht am von Enver Eser. Themenfeld: Lokale Sichtbarkeit.

Fragen, die dazu oft kommen.

Mehr dazu, wie ich das für Betriebe umsetze:

Local SEO
Darf ich eine Adresse in der Zielstadt angeben, wenn ich dort einen Briefkasten habe?

Im Google-Unternehmensprofil nicht. Googles Richtlinien schließen Postfächer, Briefkästen und virtuelle Büros an Orten aus, an denen der Betrieb nicht arbeitet. Wird der Eintrag gemeldet, kann das Profil gesperrt werden.

Woran erkenne ich, ob meine Ortsseiten Doorway-Seiten sind?

Tauschen Sie auf einer Ortsseite den Ortsnamen gegen den der Nachbarstadt. Bleibt die Seite inhaltlich richtig, unterscheidet sie sich nur im Namen und fällt unter das, was Google als Doorway-Seiten beschreibt. Eine gute Ortsseite enthält Dinge, die nur für diesen Ort stimmen.

Soll ich die Entfernung zu meinem Sitz auf der Ortsseite nennen?

Das hängt vom Fall ab. Bei Schrott Ulm stehen Entfernung und Fahrzeit nur im Datensatz und nicht auf der Seite, weil sie sich für Besucher wie „weit weg“ lesen. Den Sitz selbst sollten Sie nicht verstecken, er gehört ins Impressum.

Kann ich Ortsseiten mit KI schreiben lassen?

Als Entwurf ja, als Ergebnis nein. Google nennt in seinen Spam-Richtlinien ausdrücklich viele mit KI erzeugte Seiten ohne Nutzen für Leser. Was eine Ortsseite trägt, sind Ortskenntnis und echte Abläufe, und die muss jemand liefern, der den Ort kennt.

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